VAUNET-Panel bei den Radiodays Europe 2024 zur Zukunft von News und Information im Radio

Wie wird Radio sein Publikum zukünftig mit Nachrichten und Informationsinhalten erreichen? Dieser Frage widmete sich zum 40. Jubiläum des privaten Rundfunks in Deutschland das VAUNET-Panel bei den Radiodays Europe in München mit Stefan Möller (AER), Carsten Hoyer (Antenne Niedersachsen), Vanessa Bitter (#UseTheNews) und Christian Schalt (RTL Radio).

In unserer hochdynamischen digitalen Welt mit einem zunehmend fragmentierten Publikum ist es für alle Radiomacher:innen eine zentrale Herausforderung, für neue Generationen von Hörer:innen relevant zu bleiben. Es wird immer wichtiger, Antworten auf die Frage zu finden, was Radio leisten muss, damit die Nachrichten- und Informationsinhalte im Radio auch künftig den Gewohnheiten und Erwartungen neuer, jüngerer Generationen von Hörer:innen gerecht werden.

2024 feiert der private Rundfunk in Deutschland sein 40-jähriges Bestehen. Gleichzeitig wurde das Jahr 2024 von der bundesweiten Medieninitiative #UseTheNews zum „Jahr der Nachrichten“ erklärt. In der VAUNET-Session auf den Radiodays Europe 2024 in München ging es am Montag, dem 18. März 2024, um die Bedeutung vertrauenswürdiger Informationen, um die Relevanz von Nachrichten für das privaten Radio in Deutschland und um die Frage, wie Nachrichtenredaktionen in ganz Europa eine gesunde Zukunft für die Radioberichterstattung sichern können. Der VAUNET begrüßte insgesamt vier ausgewiesene Expert:innen aus der Medienbranche auf der Bühne.

Stefan Möller, Präsident des europäischen Dachverbandes für Privatradio und CEO von „RadioMedia Finland“, beglückwünschte zum Start der Session die deutsche Radiobranche zum 40. Geburtstag. Ein solches Jubiläum sei ein guter Grund zu feiern, biete aber auch die Möglichkeit, auf die aktuellen Herausforderungen der Branche zu blicken. Mit den Worten „Radio is your trusted guide“ machte er auf die anhaltend hohe Bedeutung von Radio als Nachrichten- und Informationsmedium aufmerksam, die heute auch eine demokratiestabilisierende Funktion habe. Diese besondere gesellschaftliche Rolle von Radio dürfe nicht durch zusätzliche Hindernisse, wie weitere Regulierungen der werbefinanzierten Geschäftsmodelle des Privatradios, behindert werden. Es gelte, die Refinanzierungsgrundlagen und Geschäftsmodelle des Privatradios stärker zu schützen.

Carsten Hoyer, CEO von Antenne Niedersachen, wies in einem leidenschaftlichen Plädoyer für das Privatradio („Radio is still the local hero“) darauf hin, dass das besondere Alleinstellungsmerkmal von Radio gestern, heute und auch zukünftig vor allem die lokale und regionale Verankerung und Nähe zu den Hörer:innen sei. Dies habe Radio vor allem der zunehmenden Konkurrenz durch Big-Tech-Audioanbieter voraus, denn auch die besten Algorithmen könnten die intime Verbindung zur Hörerschaft nicht kopieren. Wenn es dem Privatradio gelinge, auf dieser soliden Grundlage aufzubauen und sich bei der Anpassung an die heutigen, digitalen Herausforderungen an diesem Alleinstellungsmerkmal zu orientieren, sehe er der Zukunft von Privatradio sehr positiv entgegen.

Vanessa Bitter, Projektleiterin der „Jahr der Nachricht“-Initiative von #UseTheNews, präsentierte Ergebnisse aus den durchgeführten Studien zum Nachrichtenkonsum junger Menschen. Für die Hälfte der Teenager und jungen Erwachsenen (14-24 Jahre) sei es bereits heute nicht mehr wichtig, sich über Nachrichten und das aktuelle Geschehen zu informieren. Insbesondere bei klassischen journalistischen Nachrichtenangeboten fehle ihnen häufig der Bezug zum eigenen Leben. Es sei daher wichtig, bei Nachrichten und Berichterstattung künftig durch einfache und verständliche Sprache, nachvollziehbare Erklärungen, das Erläutern von Zusammenhängen (Kontextualisierungen) und eine Verbindung zum Leben von jungen Hörer:innen herzustellen.

Christian Schalt, Chief Digital Officer von RTL Radio, verdeutlichte in seiner Präsentation anhand anschaulicher Beispiele aus Radio-Deutschland, dass die Nachrichtenformate im Radio sich bereits heute an ihr digitales Umfeld angepasst hätten. Bei einer Tour durch die News-Rooms der verschiedenen Privatsender wurde deutlich, dass neben dem linearen Programm heute insbesondere digitale Informationskanäle (Social Media, Smart Speaker, Website, Apps) von den Radiosendern mit Informationen bespielt werden. Das News-Reporting auf digitalen Kanälen sei dabei mit positiven Effekten für das Radioprogramm verbunden. Auch auf den digitalen Kanälen gelte: „the more relevant the news, the stronger the impact “.

In der anschließenden Diskussion der Teilnehmenden wurde deutlich, dass Radio sehr gute Voraussetzungen hat, um auch zukünftig als Nachrichten- und Informationsmedium für nachfolgende Generationen an Hörer:innen relevant zu bleiben. In den gemeinsamen Herausforderungen, die jungen Generationen mit der Berichterstattung im Radio zu erreichen, liegt für alle Beteiligten auch eine große Chance, das Privatradio weiterzuentwickeln.

© Radiodays Europe

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Autor:in
Morten Allmann

Manager Audio and Policy Affairs

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