KI is King? VAUNET-Panel wirft Blick in die Maschinenräume großer Medienunternehmen

15.05.2024 – Was bringt Künstliche Intelligenz in Medienunternehmen wirklich? Welche KI-Lösungen werden konkret eingesetzt und wie gut funktionieren sie? Darüber diskutierten beim VAUNET-Panel auf der ANGA COM 2024 David Whigham, ntv-Chefredakteur, Roger Hofmann, Leiter Digital, FFH Mediengruppe, Maren Langbehn, Redaktionsleiterin Boulevard & Infotainment/Digital Newsroom bei ProSiebenSat.1 und Alexander Heidler, Account Executive bei Microsoft, unter der Moderation von Torsten Zarges von DWDL.

Mit Branchen- und KI-Expert:innen hat das Panel „KI is King? Was Künstliche Intelligenz in Medienunternehmen wirklich bringt“, über das auch DWDL.de berichtete, einen Blick in die Maschinenräume der Medienhäuser und auf den Status Quo des konkreten Einsatzes von KI geworfen. Dabei wurde klar: KI in den Medien ist gekommen, um zu bleiben, denn die Technologie erleichtert die Arbeit in vielen Bereichen schon jetzt enorm. Aber es wird auch langfristig dabei bleiben, dass gerade journalistische Inhalte am Ende immer von Menschen gestaltet und verantwortet werden – und dies könnte in dem für die Zukunft zu erwartenden Flug von KI-Inhalten zu einem entscheidenden Qualitätsmerkmal für Medieninhalte werden.

VAUNET-Panel„KI is King? Was Künstliche Intelligenz in Medienunternehmen wirklich bringt“ auf der ANGA COM 2024
© Päseler

Seit dem Big Bang mit ChatGPT ist Künstliche Intelligenz in aller Munde. Dabei unterstützen KI-Anwendungen schon seit Jahren die Arbeit bei ntv, beispielsweise im Metadaten-Management, berichtete ntv-Chefredakteur David Whigham. Allerdings hat die Arbeit mit den Sprachmodellen jetzt eine neue Qualität erreicht. „Mühseliges Transkribieren und Suchen im Archiv geben wir an die KI ab und schaffen damit Freiräume für kreative Prozesse und handgemachten Journalismus mit Glaubwürdigkeit“, erklärte er.

Beim Training der Sprachmodelle sind Whigham zweierlei Dinge besonders wichtig: „Es muss sichergestellt werden, dass Sprachmodelle mit vertrauenswürdigen Quellen gefüttert werden. Und dass das Urheberrecht geklärt ist, damit journalistische Arbeit weiterhin finanziert werden kann.“ Whigham prognostizierte, dass die Rolle von KI in Nachrichtensendungen allerdings weiterhin zweitrangig bleiben wird: „In einer von KI-Meldungen gefluteten Welt ist menschlicher Journalismus wichtiger denn je – denn er ist ein Qualitätsmerkmal“.

 

Maren Langbehn, Redaktionsleiterin Boulevard & Infotainment/Digital Newsroom bei ProSiebenSat.1, sah dies ähnlich: „Auch wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht antizipieren können, was da alles im Bereich KI noch kommt, am Ende wird immer ein Mensch die finale Freigabe erteilen müssen.“ In den Redaktionen des Hauses komme KI bereits in vielen Arbeitsfeldern erfolgreich zum Einsatz wie beim Community-Management, bei der SEO-Optimierung von Texten und der Post-Erstellung für Social Media. Aber die KI stoße auch immer wieder an ihre Grenzen: „Wir merken leider, dass die KI halluziniert und auf einmal Fakten in der Meldung stehen, die im Ausgangstext nicht drin waren. Da muss man dann abwägen: Wieviel Zeit kostet mich am Ende die Überprüfung der KI-Texte und wie lange hätte die Aufgabe ohne KI gebraucht?“

Die erste Hürde bei der Arbeit mit KI stellt sich bereits bei der Einführung, so der Digitalchef der FFH Mediengruppe, Roger Hofmann. Wichtige Türöffner seien hier Change Management und ein niederschwelliger Zugang. „Die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz hat bei uns so eine große Akzeptanz gefunden, weil wir unseren Mitarbeitenden eine Toolbox anbieten, die für Aufgaben bereits fertige Prompts beinhaltet, die sich direkt in den Workflow integrieren lassen“. So würden bei FFH Website-Artikel mit einer Auswahl an Bildern und Titeln wie auch passenden Social Media-Beiträgen auf Knopfdruck per KI generiert und die Verkehrsnachrichten auf Wunsch – ebenfalls regionalisiert – von einer KI-Stimme verlesen. Damit könnten den Nutzenden ganz neue Mehrwerte geboten werden.

Ein potenzielles Problem sieht Hofmann darin, dass es bisher nur wenige große KI-Anbieter auf dem Markt gebe: „Wenn sich die besten KI-Modelle auf ganz wenige Anbieter konzentrieren, dann entstehen Abhängigkeiten.“ Daher achtete FFH darauf, dass die eingesetzten Lösungen immer so gestaltet sein, dass bei Bedarf schnell der Anbieter gewechselt werden könne.

 

Alexander Heidler, Account Executive bei Microsoft, dem neben Google größten KI-Anbieter, glaubt indes, dass es in Zukunft eine breite Palette an Auswahlmöglichkeiten für Unternehmen geben werde. Microsoft selbst verstehe sich dabei als Plattform, über die Kunden unter ganz unterschiedlichen – auch Microsoft-fremden – Lösungen die für sie optimale Lösung wählen könnten.

Aus der Perspektive des KI-Anbieters war in den letzten Monaten ein Durchbruch in der KI-Nutzung bei Medien zu beobachten: Zunächst sei viel „gespielt“ worden, „aber jetzt wird gemacht“. Allerdings sei in der Medienbranche noch nicht zu beobachten,  dass eine umfassende Digitalstrategie aufgesetzt und über „alle Bereiche eines Unternehmens generative KI gelegt“ würde. Dort sieht er noch Potenzial.

Das Panel wurde moderiert von Torsten Zarges, Chefreporter von DWDL.de.

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