Studie: Illegale TV-Nutzung verursacht weiterhin hohen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden

Berlin, 25. Januar 2023 - Die Fernsehpiraterie-Studie zeigt: Die illegale TV-Nutzung verursacht weiterhin einen hohen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden. 5,9 Millionen Personen in Deutschland nutzten 2022 regelmäßig illegale Live-TV-Signale. Dabei verursachte die illegale TV-Nutzung einen Umsatzschaden von 1,8 Milliarden Euro und führte zu 390 Millionen Euro entgangenen Steuern und Sozialabgaben für die Gesellschaft. Die Politik und Regulierung auf europäischer wie nationaler Ebene sind aufgefordert, effektive Maßnahmen zur Eindämmung von illegaler Live-TV-Nutzung zu ermöglichen.

Die Nutzung illegaler Live-TV-Inhalte war auch im Jahr 2022 ein Massenphänomen und in den vergangenen Jahren sogar spürbar angestiegen. Der durch die illegale Nutzung verursachte wirtschaftliche Schaden geht zulasten privater Medienunternehmen und schwächt damit die Medien- und Meinungsvielfalt in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt ein wissenschaftliches Gutachten der Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia, welches im Auftrag vom VAUNET – Verband Privater Medien erstellt wurde.

In Deutschland nutzen im Jahr 2022 insgesamt 5,9 Millionen Personen regelmäßig illegale, lineare TV-Streams. Gleichzeitig wird durch den Konsum illegaler linearer TV-Signale in hohem Maße die Nutzung legaler Bewegtbildangebote substituiert. Zu den meistgenutzten illegalen linearen TV-Genres zählen insbesondere fiktionale Inhalte, Sport, Dokumentationen sowie Informationen. Den betroffenen Medienunternehmen entgehen dadurch jährliche Einnahmen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Der gesamtwirtschaftliche Umsatzschaden, also inklusive vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen, beträgt sogar 1,8 Milliarden Euro pro Jahr. Damit verbunden sind außerdem Einbußen für die Gesellschaft in Form staatlicher Verluste bei Steuern und Sozialabgaben in Höhe von jährlich 390 Millionen Euro.

Live-Inhalte benötigen einen Live-Schutz im Internet.

Frank Giersberg, Geschäftsführer des VAUNET

Frank Giersberg, Geschäftsführer des VAUNET: „Die Ergebnisse des Gutachtens zeigen eindeutig, dass die Nutzung illegaler Live-TV-Signale weiterhin ein Massenphänomen mit gravierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen ist. Wir wiederholen daher unseren Appell an Politik und Regulierung: Live-Inhalte benötigen einen Live-Schutz im Internet. Hier vermissen wir bisher sowohl aus Brüssel als auch national ein klares Signal der Unterstützung – und erwarten, dass sich das nunmehr zeitnah ändert.“

Laut Ergebnissen des Gutachtens ist im Vergleich zu 2018 auch die Nutzungsfrequenz gestiegen: insgesamt 72 Prozent der Nutzenden streamen illegal angebotene lineare TV-Signale mindestens einmal pro Woche – 2018 waren es noch 54 Prozent. Den höchsten Anteil illegaler Nutzung machen dabei Männer in der Altersgruppe der 24- bis 33-Jährigen aus. Jedoch ist in allen Altersgruppen zwischen 24 und 63 Jahren eine ausgeprägte Nutzung festzustellen – insbesondere der Anteil der älteren Nutzenden hat im Vergleich zu 2018 stark zugenommen. Im Durchschnitt streamen Nutzende illegaler linearer TV-Streams 2022 rund 73 Minuten pro Tag. Zu den meistgenutzten Endgeräten zählen das Smartphone, PC und Laptop sowie Apps und Software, die auf Streaming-Sticks und -Boxen installiert wird. Im Vergleich zu 2018 hat vor allem der Zugriff über solche Apps und Software zugenommen: Über die Hälfte der illegal Streamenden nutzte 2022 eine dieser Möglichkeiten (2018: 36 %), die damit nahezu gleichauf mit den Zugriffen über Smartphones oder Laptops/PCs liegen.

© VAUNET

Zum Download:

Publikation „Fernsehpiraterie-Studie 2022/2023“

 

Methodischer Hinweis

Das Gutachten wurde auf Basis einer passiven Messung der Onlineaktivitäten von über 2.700 Nutzenden in Kombination mit einer Nutzerbefragung in Form einer repräsentativen Onlinebefragung von mehr als 550 Nutzenden illegaler linearer TV-Streams erstellt. Der Befragungszeitraum der Onlinebefragung fand vom 12. bis 18. Juli 2022 statt. Schwerpunkt des Gutachtens und der Analyse sind illegal verbreitete, lineare Free- und Pay-TV-Streams. Darüberhinausgehende Nutzung und Schäden, die durch illegale Downloads oder illegales Video-on-Demand entstehen, wurden im Gutachten nicht erfasst. Gegenüber dem Gutachten von 2018 hat sich die Datenqualität des Messpanels verbessert, wodurch die Nutzung illegaler linearer Streams präziser und umfangreicher erfasst werden konnte. Um eine direkte Vergleichbarkeit der gemessenen Nutzung sowie der Ergebnisse zu gewährleisten, wurde die 2022 angewandte Methodik nachträglich auf die statistischen Messdaten von 2018 angewandt. Zusätzlich ist zu beachten, dass aufgrund von sozial unerwünschten Antworten die tatsächliche Nutzung illegaler, linearer TV-Streams gegenüber dem Befragungsergebnissen noch mal höher ausfallen können.

Ansprechpartner:in
Hartmut Schultz

Pressesprecher

Tel. 0049 (0)30 39 88 0 101

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