Marcus Wolter (Banijay) über Kreativität, Big-Tech-Konkurrenz und eine einheitliche Reichweitenwährung

In der dritten Folge von „visionär on air“ von DWDL & VAUNET spricht Podcast-Host Thomas Lückerath mit Marcus Wolter, CEO von Banijay.

Der Podcast „visionär on air“ von VAUNET & DWDL widmet sich den Zukunftsfragen der Medienbranche. Es geht um Erfolge, Hürden und Chancen im Broadcasting & Streaming, um Markt und Medienpolitik – im ganz persönlichen, offenen Austausch. Dafür besucht Host und DWDL-Chefredakteur Thomas Lückerath quer durch die Republik hochkarätige Medienpersönlichkeiten.

Marcus Wolter, CEO von Banijay Germany, ist einer der erfolgreichsten Bewegtbildproduzenten und Medienmanager Deutschlands. Er gilt als Entdecker von Heike Makatsch, Stefan Raab, gewann mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf Florida u.a. den Grimmepreis und den Deutschen Fernsehpreis. Als CEO von Banijay Germany produziert er Wer wird Millionär? The Masked Singer, Höhle der Löwen und Tatort.

Wie man erfolgreiche Unterhaltung produziert

Im Gespräch mit Host Thomas Lückerath (DWDL) erklärt er, warum eine gute Idee noch lange nicht für erfolgreiche Unterhaltung reicht. Denn die sei erst der Anfangspunkt. Danach kämen die eigentlichen Herausforderungen, bis man eine Idee zu einem Streamer, eine Plattform oder einem Sender gebracht habe. Man müsse die Möglichkeiten mitdenken, die Idee auch zu vermarkten, sie am Ende auch auszuspielen – und dabei auch die Bedeutung gesellschaftlicher Veränderungen berücksichtigen.

Wolter gibt einen Einblick, wie hoch der Anteil an Non-Production-Erlösen am Umsatz ist, wie wichtig bereits die Creator Economy für Banijay ist und wie die Arbeit mit Creatorn funktioniert. Er ist optimistisch, dass die Branche in Deutschland insgesamt mit ihren Alleinstellungsmerkmalen und ihrer regionalen Zielgruppenkompetenz gute Chancen am Markt hat, plädiert für eine konstruktive Fehlerkultur – findet aber auch, dass die Floprate in der Branche deutlich zu hoch sei.

Für eine einheitliche Währung

Als große Herausforderung sieht der Banijay-CEO die Erfolgsbewertung: Overnight-Ratings seien nicht mehr zeitgemäß, es brauche eine einheitliche Währung für die Reichweite von Bewegtbildformaten. Wenn sich jeder immer zum Gewinner, zur Nummer 1 in seiner Zielgruppe erklären könne, sei das nicht im Sinne des Marktes.

„Wenn es selbst den unterschiedlichen Regierungen Europas es gelungen ist, irgendwann den Euro einzuführen, müsste es doch eigentlich unserer deutschen Medienbranche gelingen, eine einheitliche, für alle verständliche Währung einzuführen.“

Chancengleichheit am deutschen Medienbranche schaffen

Seine Bewertung des Bewegtbildmarktes fällt gemischt aus: Einerseits zeigten die hohe Nutzung von rund drei Stunden täglich und der jährliche Umsatz der privaten Audio- und audiovisuellen Medien in Höhe von rund 16 Mrd. Euro ein hohes Marktpotenzial. Andererseits komme dieses Geld im Moment vor allem bei globalen Big-Tech-Playern an, die im Gegensatz zu den hier ansässigen Sendern letztlich kaum für Produktionen bezahlen.

Von der Politik wünscht er sich Marktgerechtigkeit mit klaren, ausbalancierten Bedingungen, so wie man in anderen Branchen immer wieder versucht habe, deutschen Firmen zumindest eine Chancengleichheit zu verschaffen.

Außerdem plädiert der Medienmanager für einen „Reset“ im dualen Mediensystem und kritisiert, dass ein hoher Anteil an Auftragsvolumen im Entertainmentbereich an öffentlich-rechtliche Produktionsfirmen fließe, die sich damit dann quasi selbst beauftragten. Es sei fraglich, ob dies gut für den Produktionsmarkt und die Vielfalt sei.

Schließlich betont Wolter die große Bedeutung der Medienbranche als Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft, die auch wirtschaftlich und mit Blick auf die Arbeitsplätze ein Schwergewicht sei und spricht sich für Selbstbewusstsein im deutschen Medienmarkt aus.

Die Folge gibt es unter anderem bei:

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