Katja Hofem (Netflix) über die Bedeutung lokaler Produktionen und Erfolgsmessung im Streaming-Zeitalter

In der aktuellen Folge von „visionär on air“ von DWDL & VAUNET spricht Podcast-Host Thomas Lückerath mit Katja Hofem, Vice President Content DACH bei Netflix Deutschland.

Der Podcast „visionär on air“ von VAUNET & DWDL widmet sich den Zukunftsfragen der Medienbranche. Es geht um Erfolge, Hürden und Chancen im Broadcasting & Streaming, um Markt und Medienpolitik – im ganz persönlichen, offenen Austausch. Dafür besucht Host und DWDL-Chefredakteur Thomas Lückerath quer durch die Republik hochkarätige Medienpersönlichkeiten.

Katja Hofem (Netflix) zählt zu den einflussreichsten Medienmanagerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie hat in ihrer Karriere prägende TV‑Formate wie Big Brother, Die Kochprofis oder Popstars eingeführt, mit sixx und DMAX neue Sender aufgebaut und die Streamingplattform Joyn mit erfolgreichen Originalen wie Jerks mitgestaltet. Bei Netflix liegen nun alle deutschsprachigen Produktionen in ihrer Verantwortung.

Hier konnte sie bereits für „Die Kaiserin“ und „Liebes Kind“ einen doppelten Emmy‑Erfolg verbuchen, und im Non-Fiction-Bereich erregte die Dokumentation „Babo“ über den Rapper Haftbefehl großes Aufsehen. Als erfolgskritisch sieht sie überzeugenden Content, der Ansatz von Neflix sei klar Inhalte-getrieben. Reines Marketing reiche nicht aus. So könnte man beispielsweise aus einer schlechten Serie keinen Erfolg machen, selbst wenn man das ganze Land mit Plakaten dazu fülle.

Bei der Erfolgsmessung sieht sie in der Streaming-Welt andere Maßstäbe als im klassischen linearen Fernsehen. Statt um Tagesquoten gehe es bei Netflix um Erfolg auf Strecke – hier werde eher über Reichweite in Monaten gerechnet. Und dabei interessiert sich ihr Team für Fragen wie: Bleiben die Zuschauenden bis zum Schluss dran? Kommen sie für eine zweite Staffel wieder? Aber auch: Hat die Produktion einen Zeitgeist getroffen, wie bei „Babo“, der eine breite gesellschaftliche Debatte auslöste?

Grundsätzlich seien lokale Produktionen nicht nur ein Commitment, sondern auch ein Erfolgsrezept von Netflix, das mittlerweile rund 12 Jahre in Deutschland am Markt ist. Die Offices vor Ort wüssten einfach am besten, was die Zuschauer:innen dort am liebsten sehen würden – und so würde lokales Know-how mit globalem Know-how gebündelt. Das Vorurteil, dass Entscheidungen fernab der lokalen Märkte in der US-Zentrale getroffen würden, sei schlichtweg falsch. Tatsächlich werde in Deutschland schnell, agil und mit echter lokaler Entscheidungskompetenz gearbeitet.

Mit Blick auf die Vermarktung sieht Hofem Werbevermarktung bei Netflix als niedrigschwelligen Einstieg, um für möglichst alle Zielgruppen die passenden Pläne zu haben. Aber laut ihr beeinflusst das nicht die Beauftragung von Inhalten. Gleichzeitig betont sie die Bedeutung von Kooperationen, die mittlerweile in jeglicher Richtung denkbar seien, und verweist auf die Koproduktion „Die tote Frau“ mit dem ORF. Dabei sei der Ausgangspunkt jeder Zusammenarbeit mit anderen Partnern der Inhalt, bei dem man kooperieren möchte. Trotzdem blieben Exklusivtitel weiterhin sehr wichtig – ein Beispiel dafür ist „Kaulitz & Kaulitz“, das bewusst auf der Plattform bleiben werde.

Zum Schluss richtet Hofem einen Appell an die Branche: Weniger Pessimismus, mehr Vertrauen in die eigene Innovationskraft – denn Deutschland, Österreich und die Schweiz verfügten über starke Kreative und enormes Potenzial.

Die Folge gibt es unter anderem bei:

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