Linear vs. Streaming – und welche Rolle spielt Social-Media? Take-aways von der ANGA COM 2026

Auf der ANGA COM 2026 haben wieder Vertreter:innen der privaten Medien, darunter zahlreiche VAUNET-Mitglieder, zur Zukunft der Branche im ungleichen Wettbewerb mit Big-Tech-Playern diskutiert – und wertvolle Insights geteilt.

Das erste Take-away: Das Lineare hat nach wie vor einen festen Platz bei der Mediennutzung – und ist definitiv kein Auslaufmodell. Sportübertragungen laufen nicht nur sehr gut in der Appp, sie ziehen auch bis zu 25 % lineare Nutzer:innen an, so der Senior Vice President Media Central Europe von DAZN, Haruka Gruber. Entsprechend zweigleisig fährt der Anbieter – und auch ProSiebenSat.1, wie es Nicole Agudo Berbel, Geschäftsführerin und Chief Distribution & Partnerships Officer der Seven.One Entertainment Group, bereits beim TV-Summit beschrieben hatte.

Das zweite Take-away: Social-Media-Plattformen wie YouTube sind (wenig überraschend) nicht nur kein Monetarisierungsbooster, sie sind für die meisten auf dem Panel vertretenen Anbieter eher ein „Additiv“ bzw. „Marketing“. „Wir verdienen auf Social nichts“, so Andreas Gerhardt, Chief Content & Distribution Officer, Sport1 GmbH und Mitglied des VAUNET-Vorstands.

Er sah aber trotzdem einen Zwang, Inhalte dort einzustellen: „Wenn alle drauf sind, musst du auch drauf sein.“ Dabei sei die auf diesen Plattformen geschürte „Kostenlos-Kultur“ ein echtes Problem, zu dem auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk beitrage, indem er große Mengen an Inhalten kostenlos auf Drittplattformen bereitstelle.

Mit Blick auf die Big-Tech-„Frenemies“ war das Panel sehr (selbst)kritisch, dass der eigene Content kostenlos den reichsten Unternehmen der Welt überlassen werde. Der CEO der CH Media TV AG, Wolfgang Elsässer, sprach beim Verhältnis zu YouTube sogar von „Kälbern und Metzgern“.

Diese kritische Haltung hatte sich auch schon auf dem TV-Summit gezeigt. Tanja Hüther, Head of ARD Distribution Board, meinte, dass man bei YouTube zwar teils Riesenreichweiten erziele, aber die Nutzer:innen gar nicht mitbekämen, dass der Inhalt von der ARD sei. „Das Hauptproblem ist die Kundenbindung“. Was darauf nicht klar einzahle, werde die ARD künftig deutlich zurückzufahren, kündigte sie an.

Auch hier war dann die Frage, wie man gegen die Big-Tech-Übermacht ankommen kann. Henning Nieslony, Chief Streaming Officer von RTL Deutschland, sah angesichts des zunehmenden Abschöpfens der Werbeausgaben durch Big-Tech nur einen Weg: „Kooperation ist das Einzige, was hilft.“

Das gilt auch für die Messung: Hier klafft zwischen klassischen Medien und Social Media eine große Lücke – wenn beispielsweise per Autoplay auf TikTok automatisch das nächste Video startet und sofort als View gezählt wird. Nicole Agudo Berbel berichtete, dass man sich im Rahmen der AGF für einen einheitlichen Messstandard einsetze. Einen solchen einheitlichen Standard hatte auch bereits Stephan Schmitter, CEO von RTL Deutschland am Eröffnungstag gefordert.

Daneben spielten auf der ANGA COM natürlich auch Infrastrukturthemen eine wichtige Rolle – und die Frage, wie die Inhalte zu den Nutzenden kommen. Ein Aspekt ist die Frage von „Network Fees“ für Inhalteanbieter – also einer „Daten-Maut“, die Telekommunikationskonzerne gerne von Medienanbietern eintreiben würden. Das Thema wurde im Rahmen des „Digital Networks Act“ auf EU-Ebene diskutiert. Der aktuelle Entwurf nennt „Network Fees“ zwar nicht explizit, sieht jedoch „freiwillige“ Schlichtungen bei etwaigen diesbezüglichen Disputen vor. VAUNET-Vorstand und ProSiebenSat.1-Vice President Governmental Relations and Head of European Affairs, Heiko Zysk, legte gemeinsam mit Dr. Wolf Osthaus, Senior Director Global Affairs Northern Europe bei Netflix, die Position der Inhalteanbieter zum entsprechenden Kommissionsvorschlag auf der Innovation Stage dar. Network Fees und auch das, was im DNA-Vorschlag davon übriggeblieben ist, gefährden die Medienvielfalt. Denn die Einladung der Regulierungsbehörde zu einer Schlichtungssitzung ist zum einen nur auf dem Papier freiwillig. Zum anderen hängt das Ergebnis einer Schlichtung immer auch von der relativen Stärke der Verhandlungsparteien ab – und hier sind große, marktbeherrschende Infrastrukturanbieter klar im Vorteil.

Der Wettbewerb und die Entwicklung bei der TV-Distribution waren Thema für Christoph Mühleib, Geschäftsführer von SES Germany / HD PLUS und Vorsitzender des VAUNET-Technik- und Innovationsforums (TIF). Insbesondere durch den Anstieg bei IPTV im Zuge des Glasfaserausbaus entsteht hier eine intensive Konkurrenz für Betreiber von TV-Übertragung via Satellit. Diese reagieren darauf unter anderem mit der Erweiterung ihrer Angebote um typische IPTV-Funktionen wie Timeshift oder Restart.

Auch hier wurde deutlich, dass der starke Wettbewerb die privaten Medien- und Medientechnologieunternehmen vor große Herausforderungen stellt, sie aber gleichzeitig die Transformation der Branche als Innovatiostreiber entscheidend mitgestalten.

 

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